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" Das Leben ist eine Reise, es genügt bereit zu sein aufzubrechen, damit sich eine Gelegenheit ergibt " [Mongolisches Sprichwort]

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Die Nachrichten


Istanbul ganz einfach

Istanbul, seine Bedeutung als Zentrum des Römischen Reiches, Spielplatz der Kulturen zur Zeit der Osmanen und seine 12 bis 16 Millionen Einwohner versprechen Grossartiges.

Kurz nach Morgengrauen schleichen wir, uns verbotenerweise auf der Stadtautobahn, ins alte Istanbul, wo Kuppeln und Minarette ein Puzzle verwinkelter Gassen und schmaler Haeuser überragen und der Liebe zum Detail gerecht wird.

Unvorstellbar was allein es von der Terrasseunseres Hotels aus wahrzunehmen gibt:
der Schaeferhund, der wie wir vom gegenüberliegenden Balkon das Leben des Viertels verfolgt * das Werbeplakat der Beschneidungsklinik, auf dem ein grinsender Sultan den Saebel schwingt * die stets unterschiedlichen Flugformationen der Tauben * die kleinen Fischerboote, die, wenn die Autofaehre angebraust kommt, zum Ausweichen gezwungen sind * da schreit der Mann, der mit einem Karren alte PET-Flaschen einsammelt * da veranschaulichen die 5 Stockwerke von nebenandie Schuhherstellung Sendung-mýt-der-Maus-maessig (heute: türkise Sandaletten) * um die Mittagszeit werden in der Strasse Köfte und Linsensuppen zu den umliegenden Kleinbetrieben getragen * die Schweisser unterbrechen ihre Arbeit und benutzen ihren Augenschutz zur Beobachtung der Sonnenfinsternis * schon früh am Morgen raucht es aus den schiefen Schornsteinen des Hammam * der Schulgong spielt hier ausnahmsweise nicht 'Für Elise' * der junge Schuhmacher (der die Innensohlen einklebt) hat bestimmt ein Date: auf alle Faelle putzt er seine eigenen Schuhe vor Feierabend sehr sorgfaeltig * rechts unten spielen zwei Maedchen Volleyball * man hört jemanden im Teeglas rühren.
Abends, wenn die Dunkelheit einbricht, wird der Film vom Tag zum Standbild: Der Palast von Topkapi ist beleuchtet, die kleine Haga Sophia angestrahlt, die Schiffe sind nichts als Lichterpunkte, und die vorgezogenen Vorhaenge lassen einen am Leben in den umliegenden Wohnungen nicht teýlnehmen. Wenn dann vor diesem Standbild ein Muezzin vorbetet, ein zweiter antwortet, ein dritter seinen Gesang anstimmt, dann liegt ein bisschen Magie über diesem kleinen Stadtteil, dessen Erkundung allein eine Woche verdient haette.

Dabei wollen so viele Dýnge hier besichtigt werden! Haga Sophia und die Blaue Moschee, der Grosse Bazar und das moderne Beyoglu, Ortaköy, das mit seiner Uferpromenade und den zahlreichen Cafes zum sonntaeglichen Flanieren einlaedt. Man stösst zufaellig auf eine Photoausstellung und möchte sich Zeit im Buchladen nehmen, und das ist lange nicht alles!

Was die 'grossen' Sehenswürdigkeiten betrifft, machen wir die Erfahrung, dass ihr Anblick aus der Ferne oft eine angenehmere Erinnerung hinterlaesst, als wenn man wie so viele andere auch in der richtigen Reihenfolge die richtigen Dinge anschaut, und ob man will oder nicht die Erklaerungen mehrerer Führer gleichzeitig in Lautsprecherlautstaerke zu Ohren bekommt.
Unser Spiel 'Wo ist die Frau mit dem Kopftuch' unterstreicht die Atmosphaere dieser modernen Türkei. Modern geht es auch im Stadtteil Beyoglu zu, wo man zu globalisierter Musýk chillt, der Trend international undder Kaffee nicht türkisch, sondern flavoured ist. Auch diese Viertel hat seinen Charme, nur leider unterscheidet es sich weder von Paris, Chicago oder Stockholm.

Aber er laesst sich finden der Unterschied. Man muss sich nur ins Labyrinth des Grossen Bazars stürzen, wo man jenseits der 'Please come'- und 'Nur schauen'-Abteilung nicht nur günstig Unterwaesche erwerben kann oder den Starter-Kit zum Fladenbrotbacken, sondern ein Pulsieren der anderen Art findet. Hier verdienen Lastentraeger ein hartes taegliches Brot, man kann zusehen, wie Silber in die Basiselemente gegossen wird, die spaeter vom Silberschmied weiterverarbeýtet werden oder ganz einfach einen einen Tee trinken, wo kein illy-Kaffee auf dem Menü erscheint.

Voila, Istanbul wie wir es erlebt haben.

Ariane & Xavier (Türkei, le 30/03/2006 )


Den Frühling eingeholt!

Wir sind überwaeltigt von der üppigen Vegetation im Büyük-Menderes-Tal, die die Naehe zum Meer erahnen laesst: Olivenhaine soweit das Auge reicht, auf den Anhöhen lichte Pinienwaelder, Pfirsich- und Pflaumenbaeume blühen hier bereits, und der Winter scheint endgültýg hinter uns zu sein. Auf jeden Fall ist uns hier abends zum ersten Mal nicht mehr kalt, und wir können endlich wieder entspannt vor dem Zelt kochen.

Wir radeln durch pýttoreske Dörfer und werden auf der Suche nach einem Zeltplatz ins Haus des Muhtar, des Ortsvorstehers eingeladen.
Dort lernen wir nicht nur die intakte Dorfstruktur kennen, sondern wir haben die Gelegenheit, beim Backen des türkischen Fladenbrotes mitzumachen. Schnell wird für mich eine der typischen weiten Hosen organisiert, und es kann losgehen.
Beim Kneten einer riesigen Menge Teig wird uns klar, dass es von Vorteil ist, derart kraeftige Unterarme zu haben wie die meisten der türkischen Frauen! Dank meiner Baeckereierfahrung kann ich bis hierhin und beim Rundwirken der Teigportionen ganz passabel mithalten; doch beim Ausrollen des Teiges mittels eines schlanken Rundholzes versage ich, was vor allem die alten Frauen erheitert. Ob wir denn zuhause im Dorf kein Brot backen würden, fragen sie, und wir haben das Gefühl, sie bedauern uns, wenn wir erklaeren, dass wir beim Baecker einkaufen.
Aesthetisch anzusehen die harmonischen Gesten, mit denen Nadredas Rundholz über den Teig rollen laesst, der ausgewalkt und ausgezogen wird, bis er zýrkelrund ist, und sie den dünnen Fladen auf die Metallplatte über der Feuerstelle gleiten laesst. Dort sitzt die aelteste der Frauen in einer Art Schneidersitz, schürt das Feuer und wendet behende den Fladen, bis er perfekt gebacken ist. So geht das Fladen um Fladen, die sich auf einer am Boden ausgebreiteten Decke stapeln.
Zwischendurch rettet Nadre laechelnd meine löchrigen, unförmigen Kreationen, und die Alte nickt mir aufmunterns zu. Waehrend meiner 'Arbeitspausen' spielt die knapp 3-jaehrige Fatma Teigausrollen - nicht von ungefaehr also, dieser Perfektionismus, mit dem hier gearbeitet wird!

Gestaerkt durch leckerste Börek schlendern wir am Nachmittag durch das antike Aphrodisias, das vor mehr als 2000 Jahren Pilger zu Ehren der Liebesgöttin Aphrodite anzog. Beeindruckend wie unbeschadet diese Akropolis die Jahrhunderte inmitten der Anemonenwiesen überdauert hat. Schade, dass der Lateinunterricht nur mehr eine vage Erinnerung ist, denn hier waere der geeignete Ort, all die Geschichten noch einmal aufleben zu lassen!

Weiter durch Orangen- und Olivenhaine fahren wir dem Meer entgegen, wo wir mit der Realitaet der Urlaubskataloge konfrontiert werden. Es sýnd nicht die Besucherströme, die derzeit noch überschaubar sind, die uns stören; es sind vielmehr die Struktur dieser Ferienlandschaften und ihre Folgen.

So müssen wir nach einer Nacht am Meer 10 km ins Landesinnere zurückfahren, da trotz der unzaehligen Ferienkomplexe, die vermutlich noch nicht einmal in türkischer Hand sind, weit und breit keine Baeckerei aufzutreiben ist. Was von weitem wie ein vertraeumter Weiler in einer kleinen Bucht aussýeht, entpuppt sich als dichte Villensiedlung ohne Ortskern und Moschee oder den sonst üblichen Trinkwasserbrunnen. Ganz zu schweigen von manchen architektonischen 'Glanzleistungen' inmitten dieser üppigen, noch (wie lange noch?) landwirtschaftlichen Gegend.

Auch wenn wir einen wunderschönen Abend in einer versteckten Bucht in angenehmer Gesellschaft von Ali verbringen und in Sigacik auf eine wenig verfaelschte Dorfaktivitaet treffen - das Küstengebiet entzückt uns nicht.

Schnell also nach Istanbul, das für uns, die wir ja eigentlich die gesamte Türkei zu Europa rechnen, wirklich den Beginn von 'zuhause' bedeutet. Lassen wir uns überraschen!

Ariane & Xavier (Türkei, le 30/03/2006 )


Hos geldiniz - hier kommt man zur Freude

Schneller als erwartet erreichen wir am 26. Februar den türkischen Grenzposten und stellen bei der offensichtlichen Betriebsamkeit der Türken erleichtert fest, dass wir die postsowjetische Traegheit hinter uns gelassen haben.

Zunaechst erkunden wir eine Türkei, die nicht den typischen Vorstellungen entspricht:
nein, keine Feriendörfer an endlosen Sandstraenden, keine überfüllten Bazare mit teppichverkaufenden Sprachtalenten. Anstattdessen radeln wir durch noch winterliche, dichte Nadelwaelder vorbei an idyllischen Bergorten, die ohne das allgegenwaertige Minarett genauso im Schweizer Wallis stehen könnten.

Wir lernen schnell das fröhliche 'merhaba', hallo der Türken zu erwidern und bekommen den üblichen Willkommensgruss 'hos geldiniz' auf unspektakulaere, natürliche Weise zu spüren.

Die türkische Gastfreundschaft ist herzlich-pragmatisch. Warum wir im Zelt schlafen wollen, wo doch im Haus Platz genug sei! Ob die Kleider gewaschen werden sollen, wir das Bad benutzen möchten. Und wo immer wir in der Naehe eines Hauses campen, haben wýr noch kein Mal unseren Kocher benutzt.
Wahnsinn, was hier fast schon zur Selbstverstaendlichkeit wird!

Wir erreichen im Norden Ostanatoliens schnell wieder unsere Höchstform und sind ungefaehr permanent hungrig. Letzteres beglückt nicht nur unsere Gastgeberinnen, sondern verhilft uns zu einem schnellen Entdecken der kulinarischen Leckereien, die weit mehr als die bekannten Kebab-Variationen bereithalten.

Waehrend einer verdienten Bergabfahrt in einer eindrucksvollen Schlucht treffen wir auf die ersehnten Fruehlingsboten in Form von Moosblümchen und einem beinahe lauen Wind.
Das steigert unsere Ungeduld auf waermere Tage, weshalb wir die verschneiten Berge für die Schwarzmeerküste verlassen.
Selbst wenn dort die Badesaison noch nicht begonnen hat, so ist der Unterschied gravierend. Wir befinden uns im Teeanbaugebiet des Landes, wo in der Tat jeder m2 zwischen Meer und Bergen mit Tee bepflanzt ist; dazwischen leuchten die Orangen.

Es tut gut, die Küste entlang zu fahren, anhalten zu können, ohne gleich zu frieren und mühelos 70 km zurück zu legen.

Und dennoch ziehen wir das beschwerlichere Hinterland vor, wo Brot und Kaese hausgemacht sind, und die Frauen allabendlich an der Mitgift handarbeiten.
Dort ist es auch, wo wir die Teehaeuser lieben lernen, die eigentlich den Maennern vorbehalten sind. Diese praktizieren hier eine Art bewusstes 'Nichtstun' und geniessen einen Zustand, der losgelöst ist von jeglicher Zielstrebigkeit und allein sich selbst genügt.
Dabei drehen sie versonnen eine nach der anderen der 99 kugeln des türkischen 'Rosenkranzes' weiter, rühren gedankenverloren im Teeglas oder sitzen einfach nur schweigend auf einem Hocker in der Sonne.
Dazu gehört der omnipraesente Cay, der für jedes Glas aufs neue aus einem starken Aufguss schwarzen Tees und heissem Wasser zusammengemischt wird, um mit viel Zucker getrunken zu werden.
Abgesehen davon, dass Teesalone ein idealer Picknickplatz im Warmen sind, scheint hier die Zeit still zu stehen und die durchs Fenster beobachtete Welt eine andere zu sein. Mir jedenfalls faellt es nicht immer leicht, eine solche Pause zu beenden.

Eine ganz andere doch nicht minder angenehme Stimmung herrscht wochenends in den Hinterhöfen der Wohnviertel. Die Jungs spielen Fussball oder probieren ihre anfaenglichen Englischkenntnisse an uns aus. Die Maedchen hueten waehrenddessen juengere Geschwister, zu einer Musik, wie man sie sonst nur von vor der Eisdiele kennt wird gestaubsaugt, Kochtöpfe klirren, Frauen schütteln Decken zum Fenster aus.

Im Euphrattal sind wir zu Gast bei Mustafa, wo wir erfahren, dass es entgegen der allgemeinen Landflucht in Richtung der Touristenzentren und nach Istanbul in den letzten Jahren vermehrt eine Rückorientierung aufs Land gibt. Hier kommen wir das erste Mal in Kontakt mit den Aleviten, die als Untergruppe der Schiiten eine muslimische Minderheit in der Türkei darstellen. Interessant sind ihre dogmenfreie Glaubensausübung und die damit verbundene selbstbewusste Lebensphilosophie.

In Divrigi verbringen wir einen gemaechlichen Samstag und fühlen uns durch die neugierige Herzlichkeit der Bewohner mehr als willkommen.
In der Baeckerei, wo wir nach Feierabend zum Essen eingeladen sind, betreiben wir mit unserem Wörterbuch, das reihum geht, regen Austausch über die Arbeitsbedingungen hier und bei uns, über unsere Motivation zu reisen, die türkische Auffassung von Freizeit, die Evangelisten und so manches mehr.

Wir erreichen Kangal, die Wiege der türkischen Hirtenhunde, die manchesmal für Herzklopfen sorgen.
Ein Pass noch und wir verlassen die anatolische Bergwelt ein für alle Mal, um mit einem 30 km/h-Schnitt (da kam der Wind aus der richtigen Richtung!!) der fruchtbaren Ebene Zentralanatoliens entgegen zu fahren.

In Kayseri, dem wichtigsten Industriezentrum der Gegend, wie in anderen Grossstaedten auch befindet sich die Türkei im Umbruch. Einerseits werden die Eltern teilweise noch mit dem ehrerbietenden Handkuss begrüsst und traditionell am Boden gegessen, andererseits tragen junge Frauen fast ausnahmslos kein Kopftuch mehr und rauchen in der Öffentlichkeit, der Trend geht zur Kleinfamilie.

Nach Kayseri tauchen wir in die Maerchenwelt Kappadokiens ein, dessen Tuffsteinlandschaft uns auf den ersten Blick fast unwirklich vorkommt.
Im Abendlicht spazieren wir zu einer Felskirche vorbei an blühenden Kirschbaeumen und winzigen, frisch bestellten Feldern. Ein kleiner Pfad führt tiefer ins Tal, wo weitere Felsnieschen erkundet werden möchten, hýnter jeder Kurve tut sich eine neue Wohnhöhle auf und laesst einen vergessen, dass man eigentlich laengst umgekehrt sein sollte...
Gar nicht so schwer, sich vorzustellen, wie hier vor 4000 Jahren gelebt wurde: in die Felswand sind Regale und Nieschen eingearbeitet, die Decke ist vom Russ der Öllampen geschwaerzt, die Kirche mit schlichten Motiven verziert.
Für eine Nacht beziehen wir ein solches Felszimmer, was uns das Aufbauen des Zeltes erspart und wunderbar zu dieser aussergewöhnlichen Umgebung passt.

Um uns trotz der beachtlichen Grösse des Landes zumindest einen kleinen Eindruck von der Aegaeisregion mit ihren fruchtbaren Taelern und antiken Staetten machen zu können, müssen wir auf den Bus ausweichen, was uns bei der Wetterunbestaendigkeit nicht ungelegen kommt!

Ariane & Xavier (Türkei, le 30/03/2006 )


 
 
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