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" Das Leben ist eine Reise, es genügt bereit zu sein aufzubrechen, damit sich eine Gelegenheit ergibt " [Mongolisches Sprichwort]

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Heimatmuseum Rumaenien

Rumaenien beginnt fuer uns ungewoehnlich mit bekannten Gesichtern, denn wir verbringen Ostern gemeinsam mit Xaviers Eltern in Bukarest.
Deshalb vielleicht, aufgrund der "westlichen" und somit wenig Aufsehen erregenden Atmosphaere und der Tatsache, dass wir wie selbstverstaendlich in Perles Grossstadtwohnung Backwaren aus der "patisserie francaise" zu Jazzmusik geniessen,
bereiten wir uns innerlich auf das Ende des aufregenden Teil unserer Reise vor...

Abseits der Hauptstadt stellen wir wenige Tage spaeter fest, dass das - zumindest an der Stelle - noch nicht noetig war, denn das ganze Land gleicht einem Heimatmuseum!
Wir fahren im Regen in Richtung Norden, verlassen die Ebene um Bukarest und sind erstaunt ueber das "Suedlaendische" inmitten in Osteuropa. Nicht nur die Sprache aehnelt dem Italienischen, nein, die Rumaenen an sich sind temperamentvoll bis hitzig.

Fuer das orthodoxe Ostern befinden wir uns in Transylvanien, der Gegend, die ehemals von Deutschstaemmigen besiedelt war, und dessen Doerfer eine typische, zuweilen ueberordentliche Struktur haben.
Wir sind wieder einmal nass wegen der staendigen Regenschauer, haben aber das Glueck, dass Nicoletta uns einen Schlafplatz anbietet. Und da sie mit ihrer Tochter gerade auf dem Weg zur Karfreitagsmesse ist, werden wir ein zweites intensives Ostern erleben.
Nach Einbruch der Dunkelheit kommt die Gemeinde in der Kirche zusammen, ein jeder hat eine Handvoll Kerzen dabei, alle scheinen erwartungsvoll. Zunaechst werden Lichter an den Graebern von Verwandten und Freunden verteilt. Anschliessend geht die Kirchengemeinde zu Psalmen mit brennenden Kerzen mehrmals um die Kirche. Die Stimmung ist schoen , es sind erstaunlich viele Jugendliche anwesend, die nicht nur andaechtig sind, sondern sich einen Spass daraus machen , die Lichter der Kleinen auszupusten oder die Haare der Maedchen anzusengen.
Wir lernen Nicolettas Familie kennen und nehmen die Einladung, fuer die Feierlichkeiten zu bleiben, ohne Zoegern an.
So falte ich sorgfaeltig eingelegte Krautblaetter um einen Hackfleischmischung, sehe zu, wie der traditionelle Osterzopf zubereitet wird, den wir aus Geldgruenden im Holzofen der Nachbarn backen. Das ganze Dorf ist am Vorbereiten, im einzigen Laden herrscht Hochbetrieb, die Eier sind schon gefaerbt.
Unsere Gastgeber haben die 40-taegige fleischlose Fastenzeit eingehalten, und fuer Ostersamstag ist bis zur Mitternachtsmesse keine Mahlzeit vorgesehen, weshalb wir heimlich unsere Vorraete naschen...

Um Mitternacht gehen wir zum Gottesdienst - ein Glueck haben wir etwas vorgeschlafen, denn erst gegen 22.30 Uhr verkuendet der Pfarrer "Christ ist auferstanden" und beendet mit dem Austeilen in Wein getraenkter Brotwuerfel die Fastenzeit.
Der Sonntag beginnt mit einem Fruehstueck, das wir bei groesstem Appetit geniessen, und wie bei uns auch werden Eier geboxt. Ueber den Tag verteilt ziehen Kinder von Haus zu Haus und verspruehen zu "Christ ist auferstanden stinkendes Parfum oder Deodorisant. Wir antworten mit "Ja, er ist wirklich auferstanden" und fuehlen uns wie ein Duftspender.
Die zubereiteten Speisen werden in zum Teil wilder Reihenfolge verzehrt; Tuica (selbstgebrannter Schnaps) und Bier sorgen gegen Abend fuer eine ausgelassenen Stimmung, man geht bei Freunden und Verwandten vorbei.
Ostern ist das hoechste Fest der orthodoxen Christen, und da dem Glauben in Rumaenien eine grose Bedeutung zukommt, ist es nicht weiter verwunderlich, dass das uebliche "Guten Tag" bis Pfingsten durch "Christ ist auferstanden!" ersetzt wird.

Wir erkunden die transylvanischen Doerfer, gewoehnen uns an die Allgegenwaertigkeit von Pferdefuhrwerken und sind fasziniert von der spuerbaren Bodenstaendigkeit auf dem Land. Zahlreiche Brunnen ersetzten das oft nicht vorhandene fliessend Wasser und machen uns das Leben leichter. Hier leben viele Roma, die zumindest zum Teil besser als im Nachbarland Rumaenien integriert sind. Dennoch gelingt uns ein wirkliches Vordringen in diese Welt nicht, nicht zuletzt weil das permanente Angebettelt-Werden, Trunkenheit und die vernachlaessigten Kinder fuer uns eine Barriere bleiben.

Wir verlassen Transylvanien und sind ueberrascht von der dynamischen Stimmung in den ueberwiegend von Ungarn (groesste Minderheit Rumaeniens) bewohnten Gebieten, wo Forstwirtschaft eine grosse Rolle spielt, und kleine Unternehmen Beweis fuer die ungarische Betriebsamkeit sind.
Die Leute im rumaenischen Moldavien sind besonders offen, ihre Haeuser sind individuell verziert, die Aussenwaende der Klosterkirchen minutioes bemalt. Hier lernen wir ein junges Lehrerehepaar kennen, die sich ihre eigene, alternative Lebensweise im nicht immer leichten Alltag eingerichtet haben und an ihr Land glauben.

Ueber einen letzten Pass rollen wir in die Maramures-Region, wo eifrigstes Treiben im Feldermosaik herrscht und man mancherorts den Eindruck hat, als waere die Zeit hier stehen geblieben. In aller Fruehe ziehen die Bauern beschwingt in die Felder, allen voran die entschlossenen Frauen, die ueberwiegend noch die traditionellen, kurzen Roecke tragen, den schwarzweissen gewobenen Allzwecksack ueber der Schulter. Hier wird auf dem Acker diskutiert und vor allem gearbeitet - mit oder ohne Pferd, und alles wirkt so gesund und harmonisch.

Rumaenien ist (noch) eine eigene Welt und mindestens eine Reise wert!

Ariane & Xavier (Rumänien, le 17/05/2006 )


 
 
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