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" Das Leben ist eine Reise, es genügt bereit zu sein aufzubrechen, damit sich eine Gelegenheit ergibt " [Mongolisches Sprichwort]

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Keine Liebeserklärung

Nein, sieben Wochen sollten nicht gereicht haben, uns vom Charme Armeniens zu überzeugen, im Gegenteil

Armenien ist eines der kleinen Kaukasuslaender, das bis zu seiner Unabhängigkeit wie so viele andere auch ein Stueck UdSSR war Seine Bewohner haben über die Jahre gelernt, die Katastrophen ihrer Geschichte zu pflegen

Dazu gehören der Genozid während dem bis 1923 zwei Drittel der 4,5 Millionen Armenier ausgelöscht worden sind
Wie die meisten ehemaligen Sowjetländer ist Armenien mit der Unabhängigkeit ins wirtschaftliche Nichts gestürzt, holte aber in den letzten Jahren gewaltig auf und glänzte 2003 mit der schnellstwachsenden Wirtschaftrate in Europa
Das Erdbeben hat mit Sicherheit viel Schaden angerichtet liegt aber mittlerweile mehr als 15 Jahre zurück, das gleiche gilt für den Karabakh-Krieg mit Aserbaidschan
Armenien ist nicht das einzige Land, dessen Geschichte schwerwiegt, nein, auch Kirgistan hat mit der anhaltenden Wirtschaftskrise zu kämpfen, der Iran-Irak Krieg wütete 8 Jahre lang und Bam wurde erst vor kurzem zerstört
Doch niemand hielt es dort für nötig, diese Umstände zu beklagen, im Gegenteil, wir trafen meist fröhliche Menschen, die ganz einfach mit ihrer Realität leben
Hierzulande indessen konzentriert man sich auf Erdbeben und Karabakh, die Unterstützung diverser Hilfsorganisationen scheint selbstverständlich und anstatt nach vorne zu schauen, wird an der Vergangenheit festgehalten, die alles Elend quasi ausreichend erklärt
Diese Art von Fatalismus mag vielleicht bequem sein, nachhaltig bewirken wird man damit sicherlich nichts

Bereits während der ersten Tage nehmen wir die armenische Schwermütigkeit wahr ohne zu wissen, was genau diese Stimmung ausmacht Kaum jemand begegnet uns mit dem üblichen Enthusiasmus und abgesehen davon, dass uns mit Fresca und Maslo die russischen Pseudoprodukte wieder eingeholt haben, macht wegen der generellen Unfreundlichkeit der Ladeninhaber noch nicht einmal das Einkaufen Freude
Einmal sind wir in einer Familie eingeladen, unseretwegen gesellen sich Bruder, Nachbarn und Freunde dazu, ohne dass auch nur im geringsten ein bisschen Unbeschwertheit aufkommen mag
In der Tat, der nicht funktionsfähige Kühlschrank ist am Monatsende nur spärlich bestückt, doch der Fernseher ist neu, das Handy klingelt Inmitten dieser Runde sind wir nicht nur einfach zwei verrückte Radreisende, sondern die ersehnte Verbindung nach Europa:
der Bruder glaubt mit unserer Hilfe entfernte Verwandte in Paris finden zu können, und die Nachbarin spricht davon, dass die 4jährige Elena in Frankreich studieren wird

Inwiefern derartige Beziehungen ins Ausland eine Goldgrube darstellen, erfahren wir im Laufe unseres Aufenthaltes Wir erfahren auch, dass das Gehalt eines Arztes im Krankenhaus umgerechnet 56 Dollar beträgt und sind nach fast 2 Monaten sehr wohl in der Lage, zu beurteilen, dass man damit nicht überleben kann, zumindest nicht in Yerevan!
Doch Hunger scheint keiner unserer Bekannten zu leiden
Wie kommt’s?
Da wäre zum einen die Korruption, zum anderen, der in Russland arbeitende Bruder oder die in Marburg dozierende Tante, die beide regelmässig Geldpost versendenZur Veranschaulichung: In Armenien selbst leben aktuell nur 3,1 Millionen Armenier, wohingegen es ausserhalb des Landes ungefähr 10 Millionen Diaspora-Armenier gibt
Damit wäre auch erklärt, warum in jedem noch so untouristischen Stadtviertel unvorstellbar viele Geldwechselstuben sind! Und wagt man es, den Armeniern an der Kasse über die Schulter zu schauen, sieht man sie, die grünen Scheine, die alles einfacher machen

Grundsätzlich ist dieser Art von Familienzusammenhalt nichts vorzuwerfen; aber genau dieser Geldfluss verhindert den allerdings nötigen Aufschrei, verhindert, dass die Leute aktiv werden, um etwas zu verändern
Und selbst wenn die unzähligen NGOs die Situation vieler alter Menschen, deren Pension katastrophal niedrig ist, verbessern und massgeblich am Wiederaufbau der Erdbebenregion beteiligt sind, tragen sie teilweise zu der weit verbreiteten Passivität der Bevölkerung bei

Schluss mit den Schattenseiten des Landes, denn schliesslich glänzt Yerevan beim Anblick all der Luxusgeländewagen, die das Strassenbild Starnbergs erblassen liessen Dank der “Rosa Flamingos”, junge Frauen, die sich mittels Pelz oder Plüsch auf hochhackigen Schuhen sorgfältig in Szene setzen, braucht man noch nicht einmal die rosa Brille aufzusetzen

Dem Erscheinen wird hier erschreckende Wichtigkeit beigemessen, dessen ist sich auch die Frau vom Gemüsestand bewusst, weshalb sie Xavier erklärt , dass ich als Frau die Haare gefälligst lang zu tragen habe Und obwohl ich mich hier zu keinem Zeitpunkt mit verschmutzter oder verschwitzer Kleidung auf die Strasse gewagt habe, sind mir offensichtliche Lästerblicke und deplazierte Lacher garantiert In der Metro wie im Café, auf dem Gemüsemarkt und beim Friseur
Diese Unannehmlichkeiten sind quasi selbstverschuldet, zumal ich, anstatt meine Garderobe an die Vorgaben der Gesellschaft anzupassen, einfach das trage, was ich nunmal dabei habe Meine Trekkingschuhe scheinen das grösste Vergehen zu sein, dabei sind sie ziemlich praktisch im Tiefschnee!
Doch zurück zu den sexy gekleideten Armenierinnen, die man sich tollkühn in einer der In-Diskotheken vorstellt, weshalb das Erstaunen dann umso grösser ist, wenn man erfährt, dass diese vor 2000 Uhr im Elternhaus sein müssen und so gut wie keine Freiheiten haben Diese Widersprüchlichkeit ergibt sich durch das Zusammentreffen der Orientierung nach Europa hin und einer Tradition, wo Emanzipation ein Fremdwort ist, und arrangierte Hochzeiten noch ? nicht der Vergangenheit angehören

Unschwer zu erkennen, dass wir uns nicht wohl fühlen in unserem gewollten Winterquartier; aber gerade deshalb ist man umso sensibler, was die kleinen Freuden betrifft, von denen ich ein paar aufzählen mag:
Da wäre die Hefepantomimemangels eines Wörterbuches habe ich erfolgreich versucht, ein Päckchen Trockenhefe zu imitieren zu nennen, dank derer man die üblicherweise misslaunigen Damen hinter dem Tresen zum Lachen bringen kann; nur leider braucht man nicht alle Tage Hefe
Das Karaokeprogramm unserer armenischen Freunde aus Schweden-Zeiten lässt einen alle Tristesse vergessen, wenn man inbrünstig „Hotel California“ ins Mikrophon singt und sich kurz wie ein echter Star fühlt Und kleine, klitzekleine Anzeichen, dass unsere Fröhlichkeit Früchte trägt, gibt es schon, zumal uns die Brotverkäuferin a-n-l-a-e-c-h-e-l-t, sobald wir auf sie zusteuern; und immerhin wurde unser ehrliches „barev zes“ beim Einsteigen in den Minibus auch schon einmal erwidert
Selbstverständlichkeiten in unseren Ländern vielleicht sind es, die uns hier einen Tag lang glücklich machen können
Damit hätte Armenien als unser Winterlager es doch so einfach gehabt, unsere Herzen zu erobern, denn schliesslich haben wir uns bei zum Teil bitterkalten Nächten vor unserer Ankunft in Yerevan danach gesehnt, bei Kerzenlicht in einem geheizten Raum lesen zu können, davon geträumt, so kurz vor Weihnachten ein bisschen Ruhe einkehren zu lassen in unser Nomadendasein Doch die Umstände haben bewirkt, dass wir wünschten, nie angehalten zu haben hierund uns gezeigt, dass es nicht immer komfortabel ist, das Glück
Heute, wo wir Besuch von daheimbekommen, und unsere Weiterfahrt zum Greifen nah ist, kann ich nicht sagen, dass ich unseren Halt bereue, denn umsonst haben wir garantiert nicht Abende lang analysierende Diskussionen geführt Und auch eine negative Erfahrung kann bereichernd sein

Eins habe ich vergessen, was die grossen, kleinen Freuden betrifft, und das ist der Blick auf den Berg Ararat, der für uns den Reiz des „Draussen“ verkörpert – aber amüsanterweise steht er gar nicht auf armenischem Boden

Ariane (Armenien, le 25/01/2006 )


 
 
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