Voyage à vélo couché de 1 an à la découverte des agricultures et alimentations de la Mongolie, Chine, Kirgiztan, Ouzbekistan, Turkmenistan, Iran, Arménie, Géorgie, Turquie, Bulgarie, Roumanie, Hongrie, Slovaquie, Autriche, Allemagne, France, découverte, vélo, couché, bent, cyclotourisme, cyclo

Home
" Das Leben ist eine Reise, es genügt bereit zu sein aufzubrechen, damit sich eine Gelegenheit ergibt " [Mongolisches Sprichwort]

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Für Trittbrettfahrer...
hier unser Newsletter:
 
 
 
   
   
   

Die Nachrichten


Zwischen Baumwolle und muslimischer Tradition

Am Grenzposten bei Och, der das kirgisische vom usbekischen Ferganatal trennt herrscht reger Betrieb. Der Grossteil der usbekischen Grenzgaenger schiebt oder zieht Karren mit Fruechten, Brot und anderem mehr von einem Land ins andere, vor allem um auf dem Bazar in Och Handel zu betreiben.
Mit ein paar Worten zu Rudi Voeller und Zidane stimmen wir die Zoellner mild und befinden uns alsbald im Reich der Baumwolle.

Usbekistan ist mit der Elfenbeinkueste und den USA eines der wichtigsten Baumwolllaender weltweit; lediglich mit dem Unterschied, dass hierzulande fast ausschliesslich per Hand geerntet wird. Erntemaehdrescher haben wir zwar auf Postern oder im Fernsehen gesehen, begegnet ist uns jedoch kein einziger!

Baumwollfelder so weit das Auge reicht mit unzaehligen Farbtupfern durch die traditionelle Kleidung der Pflueckerinnen oder die ausgelassenen Zurufe der Schueler und Studenten, die fuer mindestens einen Monat “baumwollfrei” haben, versetzen auch uns ins “Baumwollstimmung”.
Und wenn sich dann gegen 18.00 Uhr alle auf den Heimweg machen, sei es schulklassenweise in Bussen oder auf Lastwagen, zu Fuss oder per Fahrrad, geht es ausgelassen zu.
Baumwolle ist Staatsangelegenheit. Das heisst fuer die Erntezeit wird ein Grossteil der Bevoelkerung rekrutiert:
Schueler und Studenten, die diese Arbeit mehr oder weniger ernst nehmen, Lehrer ueberwachen nicht nur die Erntehelfer, sondern fuehren genau Buch ueber die gepflueckte Menge, ganze Abteilungen privater Firmen bleiben geschlossen, weil die Arbeiter in den Feldern eingesetzt werden! Als Entschaedigung erhaelt jeder Pfluecker eine warme Mahlzeit und Schueler pro kg Baumwolle 15 Som, das ist 1 Cent (Unser Freund pflueckt 15 kg pro Tag, waehrend geuebte Pfluecker bis zu 100 kg schaffen koennen).

Das Ferganatal, das insbesondere durch die Aufstaende gegen den aktuellen Machtinhaber im Fruehjahr diesen Jahres in den Schlagzeilen war, ist die am staerksten von der muslimischen Tradition gepraegte Region des Landes.
Da wir uns im Fastenmonat Ramadan befinden, der von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang nicht nur die Nahrungsaufnahme, sondern auch das Trinken, Rauchen oder Kaugummikauen verbietet, erleben wir diese Seite des Islam im Alltag. Oft suchen wir vergeblich ein Chaikhana (Strassenrestaurant) fuer unsere Mittagspause, da diese entweder geschlossen sind oder nur auf Sparflamme betrieben werden.

Neu ist fuer uns auch, dass wir hier mit einer monotonen und platten Landschaft konfrontiert sind, was den einzigen Vorteil hat, dass wir problemlos 130 km pro Tag fahren koennen und vorwiegend in unsere Diskussionen vertieft sind, anstatt von unserer Liegeperspektive zu profitieren.
Abgesehen von den Maulbeerbaeumen, die kilometerweise die Strassen saeumen, ersetzt fades Braun das Gruen der kirgisischen Berge, betonierte Wasserkanaele durchziehen zum Zweck der Monokultur die Felder und landschaftliche Hoehepunkte sucht man vergebens.

In dieser langweiligen Umgebung lernen wir Nadir kennen, der wie viele andere Jugendliche auch vom Baumwollfeld heimkehrt, als wir einen geeigneten Zeltplatz suchen. Nadir ist 16 und unterscheidet sich von den anderen Jungs, die uns umringen. Fuer ihn ist es das erste Mal, dass er Touristen trifft, weshalb er sehr aufgeregt ist, sein Englisch anzuwenden.
Er moechte den Abend mit uns verbringen und laedt uns zu seinem Onkel ein, der nur wenige Meter entfernt wohnt. Dort werden wir jedoch gebeten, unser Zelt noch auf dem Zufahrtsweg aufzuschlagen, das Haus bekommen wir nicht zu Gesicht.
Dieser Mann hat Angst vor der Polizei und moechte deshalb keine Touristen beherbergen, was prinzipiell moeglich ist, aber eine offizielle Registrierung erfordert, die fuer Probleme sorgen kann…

Wir wollen von Nadir erzaehlen, weil er uns durch seine Intelligenz und seine Bemerkungen zu unserer und seiner Lebensweise mehr als beeindruckt hat. Anstelle des Versuches, unseren Abend in Worte zu fassen, ganz einfach ein paar Zitate…
“I am a farmer, not a bad boy”, genau so spricht er uns an, nervoes aus Angst, wir wuerden ihm nicht vertrauen.
Nadir kommt aus einer einfachen Bauernfamilie, er ernaehrt sich zuhause hauptsaechlich von Tee und Brot und investiert alle Energie ins “kollegi”, eine weiterfuehrende Schule. Sein Traum ist es, in Tashkent Fremdsprachen zu studieren, um als Uebersetzter arbeiten zu koennen.
Im Hinblick auf Europa sagt er: “ I would like to visit Germany or France one day, but I am poor.”
Wir kochen Tee und bieten unsere Vorraete, Brot, Kaese und Obst an, doch Nadir isst nichts davon. Wir fragen ihn verwundert, ob er nach einem Tag Feldarbeit nicht hungrig sei und bekommen als Antwort: “ When I met you, I forgot I was hungry.”
Dieser Abend gibt uns einen kleinen Einblick, in welchem Mass hier Propaganda betrieben wird, “Touristen” beispielsweise werden durch Bilder und in den Medien definiert: “I cannot believe, I am with two tourists – but you are not as beautiful as in books”. (hihi…)
Er fragt uns auch “Who defends you?”, eine Frage ,die uns oft gestellt wird. Wir sehen in dieser scheinbar existenten Gefahr ein Mittel, die Omnipraesenz von Militaer und Polizei zu rechtfertigen…

Fuer uns ist klar, dass wir mit Nadir Kontakt halten wollen, weshalb wir ihm am naechsten morgen etwas Geld geben moechten, damit er sich ein paar Stunden Internet in der naechstgelegenen Stadt leisten kann – wir haben ihm ein e-mail-Konto eroeffnet. Doch keine Chance, er lehnt das Geld ab “I do not need this money, you need it” und begruendet dies mit”I know many people here and I can work. You do not know anybody.”
Wir versuchen zwanzig Minuten lang vergebens, ihn vom Gegenteil zu ueberzeugen. Als wir uns schliesslich verabschieden, nimmt er das Geld doch an. Er ist intelligent genug um zu wissen, dass er auf diese kleine Hilfe angewiesen ist, wenn er mit uns ueber Internet kommunizieren will.
Und also hoffen wir auf eine e-mail von ihm.

Wir verlassen das Ferganatal, um moeglichst schnell Samarkand zu erreichen, die erste kulturell wirklich interessante Stadt seit Beginn unserer Tour. Viel wichtiger als die Bauwerke und die Geschichte des ehemaligen Zentrums Zentralasiens ist fuer uns der Besuch von Xaviers Eltern.
Wir verbringen sehr schoene Tage zusammen, fuehlen uns in “unserer” kleinen Pension fast wie zuhause und unterhalten uns bei Tee (und Schokolade, richtiger, leckerer Schokolade…) stundenlang ueber Gott und die Welt. Zugleich ist dieser Halt Gelegenheit fuer eine Generalueberholung der Raeder, die jetzt wieder fast wie neu sind.

Natuerlich lassen wir uns Samarkands beruehmte Architektur aus dem 15.Jhd. nicht entgehen:
“Medersas” (Universitaeten der Vergangenheit) beeindrucken mit reich verzierten Keramikfassaden, tuerkisfarbene Kuppeln ragen in den Himmel auf. Und dennoch fehlt die Mystik von 1001 Nacht. Das mag daran liegen, dass die Gebaeude isoliert und abseits des Geschehens stehen, nachdem ganze Altstadtviertel auf Beschluss der Regierung zum Zwecke des Tourismus platt gemacht worden sind.

Auf dem Weg nach Buchara sind wir mehrmals eingeladen; Gastfreundschaft ist hier Synonym fuer interessierten Austausch und ueppiges Essen. Wo auch immer wir zelten, irgendwer fraegt immer nach, ob wir genuegend Brot und Tee haben…

In Buchara, der heiligen Stadt Zentralasiens, finden wir das erhoffte orientalische Flair – vielleicht weil hier die maerchenhaften Bauwerke ins Alltagsleben integriert sind, und das Altstadtviertel weiterlebt.
Hier ist es trotz Tourismus und Handarbeitsverkauf im grossen Stil moeglich, sein 1001 Nacht zu traeumen.

Abschliessend laesst sich festhalten: Usbekistan ist kein schoenes Land, aber es besticht durch die ausserordentliche Freundlichkeit seiner Bewohner.
Nicht wahr, Rustam, Prost auf das Voelkerverstaendnis, viele Kinder und mehr dieser netten Momente - egal ob mit Wodka oder Wein!

Morgen geht es fuer uns weiter in Richtung Turkmenistan, der Richtung aus der der Sand kommt, der in Buchara allmorgendlich weggefegt wird. Es lebe die Wueste und ein neues Land!

Ariane & Xavier (Uzbekistan, le 24/10/2005 )


 
 
Sehen Nachrichten

geschickt von :

Toulouse
Mongolei
China
Kirghizstan
Uzbekistan
Iran
Armenien
Türkei
Bulgarien
Rumänien


 


Au déTour du Monde - © 2004-2017 | Impressum | Weblinks | Kontakt |