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" Das Leben ist eine Reise, es genügt bereit zu sein aufzubrechen, damit sich eine Gelegenheit ergibt " [Mongolisches Sprichwort]

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Fotografieren laesst sich der Iran nicht

Oder zumindest nicht das, was inmitten all der Maerchengebaeude auch zum iranischen Alltag gehoert.

Der Iran funktioniert als islamische Republik und ist in der westlichen Welt angesichts der Sharia als Grundlage der Rechtssprechung und der Missachtung der Menschenrechte ein Begriff.
Aber was dies konkret bedeutet, versteht man wahrscheinlich erst, wenn einem ein Iraner vom Steinigungsprozess einer Frau berichtet, die unehelichen Sex hatte, oder man beim Einsammeln von Plastikbechern, aus denen Alkohol getrunken wurde, darauf aufmerksam gemacht wird, dass es problematisch wird, sollte die Polizei in den Muellsack schauen…denn Alkoholgenuss wird mir 80 Peitschenhieben bestraft.
Demzufolge fuehlt man sich hierzulande sehr sicher, und das zentralasiatische Problem, von Betrunkenen belaestigt zu werden, gibt es auch nicht.

Ein zugegebenermassen unromantischer Einstieg in ein Land, wo der Gast Koenig ist. Hier bekommt man nicht mehr nur eine Wegbeschreibung, sondern man wird wie selbstverstaendlich zum jeweiligen Ort gebracht.
So auch in Saraks, wo uns jemand zur Bank und dann zur Schleierboutique begleitet, jemand anderer uns Brot kauft und uns spaeter in einer Imbissstube aufspuert, um uns zusaetzlich das selbergebackene Festtagsbrot mit auf den Weg zu geben und uns auf elegant Art und Weise einzuladen.
Kurzum, man fuehlt sich bei dieser ueberwaeltigenden Gastfreundschaft schlichtweg willkommen. …waeren da nicht die permanenten Nachfragen der Polizei “woher-wohin-warum?” (oh nein, Journalisten sind wir keine!) oder Zwischenfaelle wie der folgende, als uns die Polizei bei einem unserer Gastgeber heimsucht und uns befiehlt, im Hotel zu uebernachten – ohne jegliche Erklaerung. Die haben wir im Prinzip bis heute nicht, abgesehen von eher deutlichen Andeutungen wie “Sie (die regierenden Religieusen) haben Angst vor euren (unseren) Ideen” oder “Rucksackreisende sind oft intelligente Menschen, die sich ausserhalb der Touristenpfade bewegen und sehen, was es wirklich zu sehen gibt” (und das sind nunmal nicht nur Sehenswuerdigkeiten…).

Das sind fuer uns Anlaesse nachzudenken, denn um die Moral der islamischen Republik vor den unmoralischen Einfluessen von aussen zu schuetzen, wird hier ein ganzes Stueck weiter gegangen:
Der Durchschnittsbuerger erhaelt so gut wie nie die notwendige Genehmigung fuer Satellitenfernsehen, klar, das Internet wird kontrolliert, und die Propaganda verbreitet, dass in Frankreich der Buergerkrieg ausgebrochen sei! Unsere Lieblingsmusik im Café ist illegal, und der Versuch, die CD in der Stadt aufzutreiben, kommt der Beschaffung harter Drogen gleich.

Viele Regeln also, die vor allem von gebildeten Iranern, und davon gibt es jede Menge, missachtet werden. Die Satellitenschuessel liefert unter Tuechern versteckt dank Euronews und CNN andere Sichtweisen, viele haben Salman Rushdie (v-e-r-b-o-t-e-n) laengst gelesen oder stuerzen sich auf die Informationsquelle “Tourist”. Ob in unseren Laendern Journalisten wirklich schreiben koennen, was sie wollen, werden wir gefragt, oder wie wir uns kennengelernt haetten, so ganz ohne Arrangement oder Vermittlung des Onkels muetterlicherseits.

Die November-Ereignisse in Frankreich und die allgemeine Neugier der iranischen Studenten, die oft ausgezeichnet Englisch sprechen, sind Anlass fuer zahlreiche Diskussionen.
Die meisten von ihnen, die sich durch ihre Fremdsprachenkenntnisse Zugang zu “anderer”, saubererer Information verschaffen koennen, sind mit dem neuen Praesidenten unzufrieden. Mahmoud Ahmadinejad gilt als ultrakonservativ, und wo sein Vorgaenger (Khatami) Reformen anstrebte und fuer iranische Verhaeltnisse durchaus liberale Vorstellungen hatte, lehnt ersterer soziale und politische Veraenderungen gaenzlich ab.
So wurde waehrend der Amtszeit Khatamis das Heiratsmindestalter fuer Maedchen von 9 auf 13 Jahre erhoeht, das Parlament zaehlte im Jahr 2000 11 weibliche Abgeordnete, und auesserlich spiegelte sich dieser Liberalismus in der weniger strikten Einhaltung der Kleiderordnng wider:
Der Tschador, meterlanger Stoff, der Frauen von Kopf bis Fuss verhuellt, wird zunehmend durch eine Art Mantel ersetzt, der die Figur oft weniger verdeckt als diese vielmehr zur Geltung bringt. Iranische Frauen sind heute geschminkt, und es wird geduldet, dass ein Stueck Frisur trotz Schleier sichtbar bleibt.
Nur leider droht diesen Errungenschaften mit der erneuten Machtuebernahme durch die Konservativen ein baldiges Ende. Die Kleidervorschriften sollen wieder strenger ueberwacht werden, und wir wurden ganz konkret haeufiger von Polizei und Militaer kontrolliert als Reisende noch vor 2 Jahren…

Angesichts dieser Situation, wo wir den Eindruck haben, der Grossteil der jungen Iraner ist sich des drohenden Rueckschrittes bewusst und gegen den aktuellen Praesidenten, scheint fuer uns die einzig logische Schlussfolgerung, aktiv zu werden, sich als Opposition zu organisieren.
Und gleichzeitig beginnen wir zu verstehen, das Zivilcourage eine Sache ist; eine ganz andere ist es jedoch, sich und seine Familie in Gefahr zu bringen, um seine Meinung frei zu aeussern und fuer seine Rechte zu kaempfen!
Im Iran “verschwinden” intellektuelle Reformer, liberaldenkende Journalisten befinden sich in Haft, und unfaire Prozesse sind an der Tagesordnung.
Zum Glueck gibt es dennoch Entschlossene, die sich engagieren, per blog im Internet zum Beispiel, und eine grosse Leserschaft haben, so gross, dass sie aus Angst identifiziert werden zu koennen, ihre Meinungsaeusserung aufgeben.

Die Bezeichnung “Islamische Republik” deutet auf die Verschmelzung von Politik und Religion hin, die auch als Aussenstehender zu spueren ist.
Der Islam ist Staatsreligion und wissend, dass Andersglaeubige oder Atheisten Probleme bei der Stellensuche und im Alltag haben, koennte man annehmen, dass der Islam hier zwar viele passive Anhaenger hat, aber nicht unbedingt aktiv praktiziert wird.
Doch wenn man an Eid al-Fitr, dem Fest nach dem Fastenmonat Ramadan, Menschenmassen in der heiligen Stadt Mashad gemeinsam beten sieht, kann einem diese glaeubige Einheit durchaus unheimlich sein. Eindruecklich und fuer uns grenzwertig empfinden wir das Freitagsgebet auf dem Imamplatz in Esfahan, wo Mullahs, muslimische Geistliche, zunaechst politische Reden halten mit Refrains wie “Nieder mit Amerika” und dergleichen mehr und dann zum Gebet aufrufen.

Andererseits bereitet es unseren Gastgebern nie ein Problem, dass wir uns als Christen bekennen, und einmal bekommen wir sogar den Gebetsraum einer Schule als Uebernachtungsstaette angeboten. All ihrer echten Bedenken zum trotz koennen wir nicht bestaetigen, dass wir in Europa der Meinung sind, iranischen Muslime seien Extremisten im Sinne von Terroristen, was seit dem 11. September oder des Anschlags auf die Londoner Metro nicht allzu weit hergeholt sein mag.


Extremisten sind Iraner in unseren Augen also keine, Machos sind sie jedoch alle, fast alle! Das geginnt damit, dass sich maennliche Jugendliche meist aeusserst cool kleiden, was Frauen durch die verpflichtende Kleiderordnung erschwert wird, und stimmungsmaessig unterstreichen das Aufheulen von Vespa- und Motorradmotoren oder das Wasserpfeiferauchen in einem der zahlreichen Teehaeuser, dass hier Maenner das Sagen haben.
Ich selbst mache die Erfahrung, dass der obligatorische Schleier nicht nur eine Aeusserlichkeit bleibt, sondern einem in erstaunlich kurzer Zeit ein Stueck Selbstsicherheit nimmt, und ich ziehe es vor, Xavier kuemmert sich um Einkauefe oder Informationseinholung!!

Abgesehen davon ist es so und so der Mann, der im Mittelpunkt steht: Waehrend Xavier begeistert begruesst wird, werde ich ignoriert, er wird – vorausgesetzt jemand interessiert sich fuer mich – zu meiner Person befragt, wo ich doch genausoviel Farsi verstehe und allerdings in der Lage bin, selber zu antworten.
Und spaetestens wenn es dann bei einem unserer Gastgeber zu einer Diskussion kommt, ist das Erstaunen gross, wenn ich als Frau dazu beitrage…
Auf der anderen Seite gibt es auch aufgeschlossene Maenner, die mir demonstrativ die Hand geben, zumal sie wissen, dass dies in Europa so ueblich ist – aber das allein reicht eben nicht aus. Kommentare wie “Es gibt moderne Familien, wo der Mann seiner Frau erlaubt zu arbeiten…” werden uns als Gegenargument angeboten, wenn wir die mangelnde Gleichberechtigung kritisieren.
Schockierend, wenn auch weniger tief verankert, erleben wir anfangs die “Geschlechter-Apartheid”, sei es in der Warteschlange vor der Baeckerei (Frauen und Maenner stellen sich getrennt an) oder in oeffentlichen Bussen (Maenner vorne, Frauen hinten).
Das alles vor dem Hintergrund einer rechtlichen Diskiminierung der Frau, wo vor Gericht beispielsweise eine weibliche Zeugenaussage halb so viel Gewicht wie eine maennliche hat, und fuer Frauen egal welchen Alters die einwilligende Unterschrift des Vaters zur Eheschliessung notwendig ist.

Ein Glueck machen die erreichten Veraenderungen unter Khatami Hoffnung, ein Glueck gibt es Frauen, die durch ihr Wissen einen gewissen Einfluss haben.
Doch einfach ist Emanzipation in einem Land, wo die konservativen Religioesen erneut an der Spitze stehen, mit Sicherheit nicht.

Ariane & Xavier (Iran, le 20/12/2005 )


 
 
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